Der Kreuzgang an der Stiftskirche "St. Peter und Johannes der Täufer"

Der in eindrucksvoller Ursprünglichkeit erhaltene spätromanische Kreuzgang ist heute Bestandteil des vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds verwalteten ehemals königlichen Schlosses Berchtesgaden. Seine Entstehungszeit fällt in die Ausbauphase des Klosters nach Errichtung der romanischen Basilika, also in die Zeit etwa zwischen 1190 und 1230. Er grenzt im Süden an das Langhaus der Stiftskirche an. Historisch und künstlerisch besonders wertvoll sind die den Innenhof säumenden drei- und vierbogigen Arkaden mit ihren äußerst mannigfaltig gestalteten Säulen oder Pfeilern samt Kapitellen.

Die Vielfalt der Formensprache läßt auf eine zeitliche Abfolge in der Errichtung des Baus und auf verschiedene Baumeister schließen. Sind es im Ostflügel die Kämpfer, die eine besondere Beachtung verdienen, so sind es die bildlichen Darstellungen biblischer, aber auch mythologischer Motive an den Säulen im Süden, die in ihrer Deutung aber noch nicht abschließend geklärt sind:
So z.B. die Säule vor der Tür zum alten Refektorium (Speisesaal), die auf einer Seite drei Motive aufweist: eine große Rosette, eine Sirene mit zwei Fischschwänzen, sowie eine nur bis zu Gürtellinie dargestellte männliche Gestalt.

Grabmal Propst Gregor Rainer(+1522)

Verzierte Pfeiler im Kreuzgang

In der Deutung W. Messerers wäre dies der Mensch, der durch die Verlockung zum Bösen (= Sirene) vom Ideal der Reinheit (=Rosette) abgebracht wurde und nun tief im Morast (bis zu Gürtellinie) der Sünde steckt. Mit dem auf der anderen Seite dargestellten Blatt- und Rankenwerk, das an Wein- und Hopfenranken denken läßt, wäre die Säule dann als Warnung an die Mönche zu verstehen, sich nicht zu sehr den leiblichen Genüssen hinzugeben.

Bemerkenswert vor allem auch die Portallöwen, die einst das Hauptportal im Westen bzw. das Nordportal "bewachten".

Die zahlreich eingemauerten Grabsteine zeigen, dass der Kreuzgang auch als Begräbnisstätte der Chorherren und bedeutender Stiftsleute genutzt wurde.





Texte z. T. entnommen aus dem Kirchenführer der Stiftskirche Berchtesgaden, hrsg. vom Kath. Pfarramt St. Andreas, Text: Mag. Reinhard Weidl, Berchtesgaden.
Weiterführ. Literatur: W. Messerer, Romanische Kunst in Berchtesgaden, in: Brugger, Dopsch, Kramml (Hrsg.), Die Geschichte von Berchtesgaden, Bd. 1, Berchtesgaden 1991, S. 998 - 1019.
Fotos: R. Weidl

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